Eine kurze Wiki-Zusammenfassung eines sehr großen Themas:
"wikipedia: Medical Gaslighting (englisch medical ‚medizinisch‘) ist eine Bezeichnung für die negativen Erfahrungen von Patienten, wenn Krankheiten oder Krankheitssymptome von Behandelnden unangemessen abgetan oder entwertet werden. "
Jeder, wirklich jeder chronische Schmerzpatient kann ein Lied davon singen und hat es erlebt:
Stell dir vor du gehst mit irren Schmerzen zum Arzt. Nun sitzt du vorm Arzt, erklärst deine Symptome und er nimmt dich einfach nicht ernst. Es sei alles Stress, Psyche oder Psychosomatisch. Doch es wird nicht gut, es geht nicht weg und jedesmal wenn du zum Arzt gehst, bekommst du die gleiche Antwort: Machen Sie Sport, ernähren Sie sich gesund und gehen Sie Stress aus dem Weg.
Das Stress, gesunde Ernährung usw. wichtig und richtig sind, soll hier nicht die Rolle spielen. Das sollte jedem klar sein.
Medical Gaslighting bezeichnet eine vom Arzt verzerrte Wahrnehmung des Patienten und die Verharmlosung der vom Patienten dargelegten Symptome. Das kann gefährlich werden, wenn z.B. hierdurch eine Krankheit lange unentdeckt bleibt und später nur noch schwer zu therapieren ist.
Bei mir persönlich was das so, dass ich mit starken Schmerzen zum Arzt gegangen bin. Am Ende der 6 minütigen Sprechstunden wurde ich zwar regelmäßig krank geschrieben, aber auf meine Schmerzen ist nie jemand eingegangen. Dass die Schmerzen postoperativ ungewöhnlich hoch sind und auf eine Komplikation der 1. Hüft-OP hindeuten könnten, wurde jahrelang ignoriert. Meine Symptome wurden nicht ernst genommen, als psychosomatisch dargestellt und nicht als Behandlungsbedürftig eingestuft. Das führte letztendlich zur Chronifizierung und zu starken Depressionen.
Faktoren, die das Risiko für Medical Gaslighting erhöhen: Frauen, ältere Menschen, ethnische Minderheiten, Patientinnen und Patienten mit psychischen Erkrankungen sowie Menschen der LGBTIQ+-Community.
Medical Gaslighting ist kein Einzelfall und kommt täglich vor. Ein gutes Beispiel ist Endometriose. Mit Endometriose, von der es viele Abstufungen gibt, haben Frauen im Menstruationszyklus ungewöhnliche, heftige, krampfartige Schmerzen. Obwohl diese Krankheit gut diagnostizierbar ist, warten Frauen mehrere Jahre, teils jahrzehnte, auf eine Diagnose, weil Gynäkologen/Gynäkolginnen die Symptome als normale Regelschmerzen abtun und die Patientinnen nicht ernst nehmen.
Gerade Patienten mit chronischen Krankheiten, denen man die Krankheit nicht ansieht, leiden unter Medical Gaslighting. Unter Missachtung der geltenden Leitlinien, werden diese nur zu häufig als psychosomatisch dargestellt, und das obwohl der Arzt keinerlei Kompetenz im Bereich "Psychosomatik" besitzt. Psychosomatische Symptome sind ein komplexes Krankheitsbild welches nur vom Facharzt für Psychosomatik gegeben werden sollte und nicht vom Hausarzt, Gynäkologen oder Orthopäden.
Und dieses Krankheitsbild gibt es gar nicht so häufig wie es immer medial dargestellt wird: 6 von 7 gestellten Diagnosen einer somatoformen Störung sind z.B. Fehldiagnosen....
Weitere Quellen:
Einen guten Bericht zu den erwähnten Fehldiagnosen im Bereich "Psychosomatik" gibt es hier zu lesen: Fehldiagnose: Psychosomatisch (Deutschlandfunk KULTUR)
Wer mehr über Medical Gaslighting lesen und hören möchte, dem kann ich folgende Seite empfehlen: Medical Gaslighting (Deutschandfunk NOVA)