Ich oute mich:
Ich bin ein Spoonie!
Als "Spoonie" bezeichnet man chronisch Kranke, die aufgrund ihrer Krankheit, die täglichen Kräfte einteilen müssen. Die Theorie stammt von der US-amerikanischen Bloggerin Christine Miserandino und besagt, dass der/die Betroffene nur eine bestimmte Anzahl an Löffeln für den Tag zur Verfügung hat. Ein "Gesunder" steht morgens idealerweise mit einer unendlich hohen Anzahl mit Löffeln auf. Er muss sich keine Gedanken über seinen Energiehaushalt machen. Aufstehen, Zähne putzen, Waschen, Arbeiten, Einkaufen, Putzen, Kochen: Alles so gut wie kein Thema. Okay, klar das auch der "Gesunde" hier Müdigkeit und schlechte Tage kennt. Und ich schreibe hier auch nichts von Lustlosigkeit oder Faulheit. Aber er braucht sich keine Gedanken hierzu machen. Sein Körper kann das.
Der Spoonie steht Morgens auf und hat nur ein paar Löffel für den Tag übrig. So sieht das jeden Tag aus. Die chronische Krankheit lutscht einen so aus, so dass für einfache Tätigkeiten wie Zähne putzen manchmal gleich mehrere Löffel drauf gehen.
Ist das Kontingent an Löffeln verbraucht, ist der Akku leer und nichts geht mehr. Man könnte sich neue Löffel erarbeiten, indem man sich welche von nächsten Tag ausleiht, diese fehlen dann aber für den nächsten Tag, daher ist das mit allerhöchster Sorgfalt auszuwählen.
Ein Spoonie muss also jeden Tag seine Löffel gut einteilen.
Was macht mich zum Spoonie?
Chronische (akute) Schmerzen und Depressionen.
Warum dieser Blog?
Ein Versuch der Selbttherapie, aber auch ein Versuch der Aufklärung. Es ist für Unbetroffene unheimlich schwierig sich da reinzuversetzen. Und ich will da offen und ehrlich sein und allen die auch jemanden in dieser Situation kennen, so gut es geht aus meiner Bubble Hilfestellungen zu geben.
Wie wurde ich zum Spoonie?
2020 fing es akut an, aber wenn ich ehrlich bin und so etwas in die Vergangenheit zurück reise, ging das schleichend schon längere Zeit so. Aber 2020 war wohl prägend für den heutigen Zustand.
Ich war Sportler durch und durch: Laufen, Rennrad, Crossfit, Kettlebellsport. Ich habe es geliebt!
Im Sport wurde aber auch schnell klar: Der Körper ist nicht für das Extreme gemacht. Und so schlich sich nach und nach immer wieder die eine oder andere Verletzung rein. Ich versuchte natürlich dagegen anzusteuern, mit Technik, Workarounds und Physiotherapie. Ich war sicher: Bewegung ist Leben und wenn ich an meinen Defiziten arbeite, werde ich Stark und Schmerzfrei werden.
Nö war nicht so...
2019 habe ich mich am rechten Knie verletzt. In der nachfolgenden Knie-Reha fing meine linke Hüfte an zu schmerzen.
Der Schmerz blieb und ging nicht wieder weg.
Was dann folgte ist Stoff für ein eigenes Buch. Ich versuche das mal abzukürzen. Es folgten:
- Ärztemarathons
- Diagnose "CAM-Impingement" (Einklemmungssyndrom an der Hüfte)
- Stümperhaft durchgeführte Hüft-OP Mitte 2020 die quasi alles verändert hat
- Weitere OP Ende 2022 die die stümperhaft durchgeführte OP korrigieren sollte aber alles schlimmer machte
- Diverse Therapieversuche und Aktionen in Eigenregie weil von Ärzten rein gar nichts gemacht wurde, außer "Medical Gaslighting"
- Etliche Versuche neue kompetente Arzttermine zu bekommen (ohne Erfolg)
- Ärztewechsel
- Psychotherpaie
- Unimodale und Multimodale Schmerztherapie
- Eine Woche in einer Rheumaklinik (ohne Rheumabefund)
- Neue Versuche Fachärzte in Deutschland aufzusuchen (privat bezahlt) die endlich etwas Licht ins Dunkel brachten
- Und ZACK sind wir im Heute (März 2025) mit folgenden vorläufigenErkenntnissen:
Endgradige Hüftegelenksarthrose links, diverser Verschleiß am Becken und der Wirbelsäule (Facettengelenks- und Spondylarthrosen) mit teils neurologischer Beteiligung (ähnlich wie Ischiasschmerzen), stark ausgeprägte Kyphose (Rundrücken), Kniegelenksarthrose beidseitig, Großzehgelenksarthrose rechts, manifeste mittelgradige Depression, Schlafprobleme und ausgeprägte Fatique.
Dies alles führt bei mir zu chronischen Schmerzen und kognitiven Beschwerden, die leider auch mit Schmerzmedikation und Psychotherapie nicht zufriedenstellend zu therapieren sind.
Fast alle Orthopäden und auch mein alter Hausarzt, waren jahrelang der Meinung, ohne jemals Arztbriefe, Fakten oder Befunde anzuschauen (das ist vielleicht ein Thema für einen andern Blog, wo es um kognitive Verzerrung in der Diagnostik geht) ich hätte nichts und es wäre 100% Psychosomatisch.
Allein schon diese Aussagen muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, mit einer psychosomatischen Diagnose hätte man nichts.... Aber das zeigt mit welcher geballten Kompetenz ich es teilweise zu tun hatte.
Aufgrund dieser Fehldiagnosen bin ich sehr lange ohne adäquate Behandlung geblieben und mit extremen körperlichen Schmerzen umher gelaufen und habe durch die extreme Schonhaltung diverse Kollateralschäden hinzubekommen. Zusätzlich hat sich eine manifeste Depression entwickelt, die die körperliche Misere noch einmal zusätzlich negativ anfeuert.
So genug gejammert :)
Solltest du auch in ähnlicher Weise betroffen sein, schau die diese Theorie der Löffel doch mal gerne an. Du kannst mir auch gerne eine Email an